Chronik der Volksschule Harmannsdorf

EIN STREIFZUG DURCH DIE GESCHICHTE

Fotogalerie

1852 schrieb der damalige Ortslehrer Johann Hirsch einen Bericht an den Schulaufsichtsdisdrikt in Stockerau. OSR Hugo Nikel fand den Bericht unter den Akten im Pfarrarchiv Stockerau. Anlässlich der 100-Jahr Feier des Volksschulgebäudes im Jahr 1975 wurde dieses Schriftstück wieder veröffentlicht. Der Bericht beschreibt das Schulhaus und dessen Lage; er ist wegen der interessanten Art der Schilderung und der damaligen Schreibweise ein Juwel der Ortsgeschichte. Der erste Teil wird nachstehend im Wortlaut wiedergegeben:

Das Schulhaus befindet sich auf einem freien Platze zwischen den beiden Ortschaften Harmannsdorf und Rückersdorf, rechts von der Pfarrkirche und dem Pfarrhofe, und links von der Scheuer des Lehrers, eines Fahrweges, welcher nach Seebarn und Kleinrötz und dem Fleischerhause umgeben. Es ist ein langes Gebäude mit 9 Fenstern, in welches eine Stiege mit 8 Stufen führt. Links beim Eingange kommt man in die Wohnung der Lehrer, rechts in zwei geräumige Lehrerzimmer, wo das 1. drei Fenster auf die Gasse, das 2. aber drei Fenster im Hofe hat.
Vis-a-vis des Schulgebäudes befindet sich eine Fläche, welche mit bebauten Äckern, Wiesflecken und Obstgärten bepflanzt, bis zur etwas höher gelegenen Laaerstraße führt. Auch erblickt man unweit des Schulgebäudes auf der Fläche die Statue des heiligen Johann von Nepomuk, welche recht schön aussieht, indem diese vor einem Jahr renoviert wurde.
Diese Fläche ist durch mehrere Wege und dem Donaugraben durchschnitten. Von der Laaerstraße aufwärts zeigt sich ein erhöhtes Weingebirge, wo sich auch ein pfarrlicher Acker in der Mitte bemerkbar macht, mit dem oben befindlichen Pfarrkeller, samt einem zweckmäßigen Pfarrhause. Von dem pfarrlichen Keller gegen Westen zeigt sich ein herrliches Panorama. Man sieht von hier die beiden Ortschaften Harmannsdorf und Rückersdorf in ihrer Länge samt dem durchlaufenden Donaugraben. Beinahe in der Mitte ragt die Pfarrkirche mit ihrem ziemlich hohen Thurme, der Pfarrhof samt Nebengebäude und das Schulgebäude hervor. Weiter gegen Osten sieht man eine schöne große Fläche von Äckern mit den dazwischen liegenden Ortschaften, wo sich besondern schön das herrschaftliche Schloß des Grafen Wilczek mit seinem Garten und Alleen bemerkbar macht.
Die ganze Fläche wird dann mit einer kleinen Gebirgskette, mit den Forstbäumen aller Art begrenzt. Mehr rechts gewendet sieht man Bisamberg. Korneuburg wird von Klosterneuburg durch die schöne Donau getrennt, und durch die Gebirgskette jenseits der Donau. In den Gebirgen Kleinrötz und Seebarn werden sehr gute Bausteine gebrochen, die in die Umgegend verführt werden.
An Obstgartenfrüchten findet man hier: Birnen, Äpfel, Zwetschken, Kirschen, Nüsse u. a. m. An Feldfrüchten werden alle Arten Getreide, Hülsenfrüchte, Rüben, Erdäpfel und viel Spargel gebaut. Der Weinbau liefert in guten Jahren eine bedeutende Quantität von mittelmäßiger Qualität. Ein vorzüglicher Wein wächst in Kleinrötz. An Jagdthieren gibt es hier Hirsche, Rehe, Hasen, Rebhühner und Fasanen. An wilden Thieren gibt es außer den Füchsen keine. An Hausthieren findet man: Pferde, Kühe, Schafe, Schweine, Hunde, Katzen, Hühner, Anten und Gänse. Die Ortsbewohner beschäftigen sich hier mit dem Feld- und Weinbau, auch treiben einige Handel mit verschiedenen Naturprodukten nach der Residenzstadt. Dies ist nun das Merkwürdigste, was von dem Schulorte und der Pfarrkirche zu Harmannsdorf zu berichten wäre.
(Harmannsdorf, 24.8.1852 Joh. Hirsch, Schullehrer)

Die Schulchronik reicht bis in das Jahr 1870 zurück. Die Schule selbst aber wurde zum ersten Mal bereits 1544 in einem Visitationsbuch erwähnt. Dort hieß es:

Harmannsdorf habe einen Schulmeister, der von der Pfarrgemeinde besoldet und erhalten werde. Die Ernennung des Schulmeisters an dieser Pfarrschule erfolgte bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts durch Gemeinde und Pfarre gemeinsam, wie eine im Besitz der Gemeinde befindliche Urkunde aus dem 18. Jh. beweist. Zu den Obliegenheiten des Lehrers in dieser Zeit gehörten auch die Mesner- und Glöcknerdienste. Unter den vielen Lehrerpersönlichkeiten, die oft jahrzehntelang das Schulbild und die Dorfjugend prägten, sei hier der Oberlehrer Johann Hirsch erwähnt, der die Schule von 1833 bis 1866 leitete. Bis 1859 musste jedes Kind in der 1. Klasse 2 Kreuzer in der 2. Klasse 3 Kreuzer pro Woche als Schulgeld für die zweiklassige Schule zahlen. Dem Oberlehrer stand ein Unterlehrer (Hilfslehrer) zur Seite, der auch die Mesnerarbeiten besorgte und 80 bis 90 Gulden vom Steueramt als Lohn bekam. Vom Oberlehrer erhielt er 24 Gulden Schullohn. Zusätzlich hatte er hier Kost und Bett samt Wäsche. Das Trinkgeld bei Taufen und Hochzeiten betrug bis zu 90 Gulden.

Da das alte Schulhaus durch Kriegseinwirkungen baufällig war und für 280 Schüler nur ein Klassenzimmer zur Verfügung stand, wurde 1875 mit dem Neubau einer Schule begonnen. Dem tatkräftigen Pfarrer KreißI war es gelungen, den Bau in der Ortsschulratssitzung am 20. Dezember 1874 durchzusetzen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 24. Mai 1875. Die Pläne stammten von Architekt Streit aus Wien. Nach nur vier Monaten Bauzeit war das Schulhaus fertig und am 23. Oktober 1875 in seiner heutigen Gestalt vollendet.
Trotz beider Weltkriege (am 11. 4. 1945 erhielt die Schule Granattreffer, die besonders das Dach arg  beschädigten) erfüllte dieses Schulhaus seine Aufgaben bis in das Jahr 1990. Heute findet es weiter im Dienst für unsere Jugend als Kindergarten Verwendung.

Wegen akuter Raumnot – 4 Klassen im Volksschulgebäude, 3 Klassen in der Hauptschule – fanden am 14. Mai 1987 die ersten Verhandlungen wegen eines Neubaus der Volksschule neben der Hauptschule statt. Der Spatenstich erfolgte am 26. Juni 1988, zwei Jahre später. Am 24. Juni 1990 erfolgte die Eröffnung.